kleine Geschichte meiner Wechseljahre

Wechseljahre beim Mann? Das ist, als ob ein Frosch in einen Topf mit ideal warmem Wasser sitzt – in dem es über die Jahre heißer und heißer wird. Er merkt nicht wie es langsam zu heiß wird, er ist ja unsterblich – aber dann ist sie scheinbar urplötzlich da – die Midlife Crisis. 

Wechseljahre? Ich? Einfach ignorieren!

Ich wollte es lange nicht glauben und auch heute noch habe ich tief in mir einen leise flüsternden Zweifel, ob das wirklich „so etwas war“. Immerhin bin ich ein Mann und der macht einfach weiter, auch wenn es schwerer wird. Oder nicht? Heute bin ich in meiner Entwicklung weiter. So viel weiter, dass ich über das Thema, „Mann wird älter“ und „Mann und Wechseljahre“ einen Blog mache. Das ist jetzt tatsächlich „mein Ding“ geworden. 

Woran hatte ich gemerkt, dass ich in Wechseljahre geraten war? Ganz einfach. Ich wollte – aber ich konnte nicht mehr so, wie ich wollte. Das betraf alle Bereiche. Nicht nur die Sexualität, also das Lustempfinden. Ich hatte also erst einmal alle Schwierigkeiten einfach verdrängt und mich noch mehr ins Zeug gelegt. Aber es half nichts. Ich wurde einfach eher müde, es dauerte länger, bis ich wieder fit war und – gruselig anfangs – ich spürte, wie sich meine Interessen und meine Sichtweise auf mein Leben veränderten. 

Die etablierte Forschung und auch die Ärzteschaft sind sich noch immer nicht so recht einig, ob auch ein Mann in die Wechseljahre kommen kann. Woran liegt es, dass die Forschung Zweifel an der Existenz von Wechseljahren der Männer hat? Wenn Frauen in die Wechseljahre kommen, ist das wie ein riesengroßes Stoppsignal. Der Körper der Frau stoppt relativ abrupt die Produktion von Östrogen. Der Körper der Frau kommt eben in die Wechseljahre. Ohne wenn und aber – und körperlich eindeutig messbar.

Sei besser kein Frosch!

Um ein kleines Gleichnis zu bringen. Frauen wissen, dass die Wechseljahre da sind. Männer bekommen ihre Wechseljahre oft gar nicht mit. Wenn bei der Frau die Wechseljahre beginnen, ist es für sie, als würden sie von heute auf morgen in einen Topf heißen Wassers geworfen. Schlagartig ist es heiß. Eine Frau ist auch viel mehr auf das Eintreten ihrer Wechseljahre vorbereitet. Bei ihnen ist das Thema kein Tabu. Sie sprechen schon immer darüber und wissen, dass der Tag kommen wird.

Bei Männern ist das vollkommen anders. Bei ihnen ist der Prozess des Älterwerdens ein langsamer, schleichender Prozess. Der Mann lebt in dieser Hinsicht eher wie ein Frosch. Ein, so sind wir nun mal, in emotionalen Dingen eher schweigsamer Frosch. Wir sitzen zeitlebens in einem Topf mit lauwarmem Wasser und freuen uns an diesem ideal warmen Wasser. Locker die Arme über den Rand hängend genießen wir das Leben. Was wir aber nicht realisieren. Dieses Wasser wird über die Jahre wärmer und wärmer.

Ist es erst zu heiß – ist es zu spät

Für uns vollkommen überraschend ist dann scheinbar urplötzlich ein Punkt erreicht, dass es zu heiß wird! Wir können die Veränderung nicht mehr ignorieren. Etwas passiert mit uns und das macht uns fertig. Nicht wenige Männer merken dann noch immer nicht, dass sie die Wechseljahre getroffen hat. Aber diese Männer werden nun gezwungen, damit klarzukommen. Ob sie wollen oder nicht. So erging es dann auch mir.

Allerdings bekommen nur zehn Prozent der Männer es mit Beschwerden zu tun, die Wechseljahr typisch sind. Also Hitzewallungen, oder aber Probleme mit der Libido und der Verringerung der eigenen Energien quer durch alle Lebensbereiche. Da es nur jeden zehnten Mann trifft, sind bisher die Wechseljahre des Mannes nur wenig erforscht. Ich freue mich, dass sich auf diesem Gebiet langsam etwas tut. Das Bewusstsein wächst.

Ich vermute sowieso, dass diese zehn Prozent viel zu gering angesetzt sind. Das sagen mir meine Erfahrungen mit den Gesprächen eigentlich jeden Mannes über die Vierziger. Ich habe praktisch keinen am Thema desinteressierten Mann gesprochen. Alle wurden sofort hellhörig, sobald ich auf dieses Thema kam.

Einsatz zeigen – bis der Arzt kommt

Damals hatte ich versucht, und das ist eine recht typische Reaktion, meinen Leistungsabfall mit übertriebenem Reinpowern und besonderem Engagement auszugleichen. Ob nun bei der Arbeit oder in der Sexualität. Meine alte Leistungsfähigkeit war ein Gesetz und das sollte, verdammt, so bleiben. Da durfte sich nichts ändern. Immerhin war ich so etwas wie unsterblich. So habe ich tatsächlich gelebt. Das Leben war nach hinten hin offen und es würde sich nie etwas daran ändern. 

An das Wort „Wechseljahre“ hatte ich in diesen Jahren der Umstellung keine einzige Sekunde gedacht. In dieser Ecke hatte ich die Ursache also überhaupt nicht gesucht. Ich hatte mich nur maßlos geärgert, dass ich eher müde wurde. Dass meine Konzentration und mein Merkvermögen nicht mehr so war, wie ich mich erinnerte. Dass ich beim Sex nicht mehr so oft „konnte“ oder sogar wollte (das war der größte Schreck in der ersten Zeit). Ich hatte irgendwie weniger Lust auf alles, egal, um welchen Bereich des Lebens es ging. 

Hitzewallungen und Schwindel, nicht nur bei Frauen

Nun durchlebe ich schon einige Jahre meine Wechseljahre. Selbstverständlich ist mein Älterwerden nicht vorbei und meine Wechseljahre anscheinend auch noch nicht so ganz. Morgens beispielsweise muss ich mir die Decke vom Körper strampeln, weil ich noch immer leichte Hitzewallungen bekomme. Hitzewallungen! Wer hätte das gedacht. 

Aber inzwischen hat sich für mich alles geändert. Ich will nicht andere Männer wiederholen, die rückblickend von dieser Zeit berichten und von denen ich oft gehört oder in verschiedener Lektüre gelesen habe. Vielleicht empfindest Du das jetzt auch so provokant, wie ich das damals fand. Ich fühlte mich in dieser Zeit nur verarscht, wenn ich so etwas las. Aber doch schreibe ich es jetzt. Als Provokation, aber auch als Ausblick.

„Ich lebe gerade die besten Jahre meines Lebens.“

Das war ein langer Weg, der mich auch durch eine Depression geführt hatte. Heute denke ich, dass diese Depression nicht nur ein böses Geschenk meiner hormonellen Umstellung war. Ein Resultat der ständigen Verminderung meines im Blut frei zirkulierenden Testosterons. Heute denke ich, ein ganz entscheidender Grund, dass ich diese Depression bekommen hatte, war meine Einstellung zu mir und den Veränderungen meines Körpers und meinem Seelenleben, was ich alles hartnäckig verleugnet hatte. 

Immer noch typisch Mann.

Ich bin noch immer typisch Mann. Bestimmt auch zum Leidwesen mancher gestressten Dame, der ich wohl noch immer zu „typisch“ bin. Aber ich bewege mich innerhalb meiner neuen Grenzen ganz locker und entspannt. Auf eine neue Art so, wie ich mich in früheren Jahren in scheinbar unbegrenzter Kraft bewegt hatte. Ich spüre heute, was mein Selbstgefühl angeht, überhaupt keinen Unterschied. Ich bin nur, so finde ich, ein Stück erwachsener geworden. 

Wäre ich in meiner schwierigen Zeit auf einen Blog wie diesen gestoßen. Ein Blog, der mich mit den richtigen Stichworten angestoßen hätte. Ich hätte viel früher erkannt, was da gerade passiert und hätte vielleicht auch so manchen Mist bleiben lassen. Dadurch wäre das Ganze nicht weniger unangenehm gewesen, aber wenn man von einer Ursache weiß, hat man auch die Chance, Strategien für den Umgang zu erlernen. 

Männer sollen wissen, was sie erwarten / kann

Das ist für mich auch der entscheidende Grund, dass ich diesen Blog mache. Das kam nicht sofort, sondern der Gedanke ist mehr und mehr gewachsen. Jetzt aber ruft alles in mir: „Mach diesen Blog! Du hast da Bock drauf! Du hast was zu sagen! Du willst was sagen! Du willst Deine Erfahrungen und Dein Wissen teilen!“ Und vor allem: „Vielleicht bringt mein Blog jemanden da draußen etwas!“

Ich möchte Männern, die sich dem Siedepunkt ihres Froschkessels nähern, helfen, vorher schon zu erkennen, was da auf sie zukommen könnte. Denn der Schlüssel, dass es mir heute wieder gut geht, ist nicht, dass ich die fehlenden Hormone irgendwie mit einer Pille oder einem Pflaster ausgeglichen hätte. Etwas anderes war letztlich entscheidend. Ich habe gelernt, mit diesem scheinbaren „Weniger“ und all den damit verbundenen Veränderungen umzugehen. 

Das Leben wieder im Blick

Natürlich unternehme ich auch Einiges, um meinen Alterungsprozess zu verlangsamen. Ich gebe mich dem Älterwerden nicht einfach passiv hin. Meine Ernährung ist ein wichtiges Thema des Blogs. Auch Sport bzw. jede weitere sinnvolle Beschäftigung des Körpers sind ein gutes Mittel. Auch die Themen Hobby, Freizeit und die Karriere sind absolut wichtig. Ganz entscheidend aber ist das Thema Beziehung. Gerade hier können die Folgen gravierend sein.

Manchmal erwarte ich von mir immer noch Dinge, die über das hinausgehen, was ich mir heute noch zutrauen sollte. Ob nun im Sport (mein Knie hat seitdem ein hörbares Dauerknacken) als auch beim Sex oder anderen Aktivitäten. Heute lächele ich über mich, wenn ich es mal wieder übertreibe und das dann zu spüren bekomme. Ich lächele wirklich, nicht nur als gute Mine zum bösen Spiel. Ich fühle das auch wirklich so. 

Wer hätte das damals gedacht. Ich am Allerwenigsten.

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Wechseljahre sind schwierig

Wechseljahre sind echt schwierig sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Ich habe auch damit zu kämpfen. Manchmal haben mich Schweißausbrüche und Hitzewallungen geplagt. Hormonschwankungen und nur noch eine sehr unregelmäßig Periode zur Zeit. Das macht einen nicht gerade ausgeglichen.

Dann kommt noch dazu, dass wir uns Kinder gewünscht haben keine bekommen haben. Das macht es erst recht schwer die „fruchtbare Phase“ hinter sich zu lassen.

Bei meinem Mann gibt es die Mitlifecrisis auch. „Soll das alles gewesen sein im Leben“? Schneller müde, nicht mehr so unternehmungslustig und bei viel viel Stress auch mal Erektionsstörungen.

Dann hatte er einen Begeisterungsausbruch an meiner Schwester ihrem Geburtstag als im Radio die Nachricht kam, dass Mick Jagger noch mit Anfang 70 Vater geworden ist.

„Das würde mir auch gefallen“.

Ja, Wechseljahre sind schwierig. Hoffentlich ist es bald durchgestanden.

 

Männer – immer unter Strom

Männer, immer unter Strom? Ist das so? Und bleibt das so? Der aktiv im Leben stehende Mann ist daran gewöhnt, dass ihm seine Kräfte schier unbegrenzt erscheinen. Dass sich daran irgendwann einmal etwas ändern könnte – das ist der Gedankenwelt des Mannes so fern wie nur irgend etwas in seiner männlichen heilen Welt. Seit der Pubertät, die ihn im Testosteron getaucht hat, lebt er im ihn erfüllenden Gefühl, nein, der Gewissheit, der eigenen „saftvollen“ Unsterblichkeit. Saftvoll – ja doch! Richtig :-). So ein Wort kann doch nur einem Mann einfallen. Aber ein Mann ist nun mal sehr bildhaft veranlagt. Testosteron schenkt dem Mann nicht nur Haare unter den Armen und am … pardon … Sack. Nicht nur schwellende Muskeln und einen weiteren, vom Manne besonders geliebten und (besonders von ihm) verehrten nun sehr regen Schwellkörper. Nein. Testosteron senkt darüber hinaus seine Stimme auf ein, wenn alles gut läuft, kraftvolles Maß. Testosteron gibt ihm die Ellenbogen, mit denen er sich im Job und wohl auch oft privat durchsetzen kann. Ein Mann erreicht auf diese Weise sehr viel, aber macht sich dabei nicht immer nur Freunde.

Testosteron, wirksamer als Obelix Zaubertrank

Testosteron erfüllt ihn in einer Weise, wie man es nur noch mit der Kraft Siegfrieds vergleichen kann, nachdem er sein Bad im Drachenblut gehalten hatte. Ist aber die Dosis Testosteron aber zu verschwenderisch, kann aus einem Mann auch ein echtes Arschloch werden. Er mutiert zu einem „unbesiegbaren Helden“. Zumindest glaubt er das von sich. Und leider ist es so: Er setzt sich mit solchen Macho-Eigenschaften tatsächlich öfter durch. Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit für jeden, der es kompromissbereiter und toleranter angehen lässt.

Die drei mit dem Headset

Wir drei haben einen Podcast zu diesem Artikels gemacht. Das heißt, ich, Jochen und Frank , zwei sehr interessanten Männern. Der eine noch zu Beginn seiner Andropause, deren Auswirkungen er nach eigener Aussage gerade zu spüren beginnt. Der Andere bereits jenseits der Andropause. Beide aber mit wahrer Vernunft erfüllt :-). Man sollte meinen, nicht nur Jochen, sondern auch Frank hat schon die (im Rückblick kann ich das tatsächlich sagen) Gnade der Wechseljahre erfahren.

Aber nicht nur ablesen, oder?

Die Idee, den meisten meiner Artikeln eine Zuhörversion anzuhängen, ist mir während dieser sehr humorvollen und ausgeglichenen Zusammenarbeit gekommen. Auch weitere meiner Onlinejournalisten – Mitstudenten haben mich in dem Gedanken bestärkt, eine Podcast – Version hinzuzufügen. Diese Podcasts werde ich nicht wortgleich abgelesen. Ich nutze den Artikel als Basis, gemeinsam mit dem gesammelten Recherchematerial und talke mich durch den Artikel. Als wäre der Artikel mein Gast, der sich selbst noch mal kommentieren darf. In der Podcast – Version kann ich ausführlicher sein und kleine Schlenker und Exkurse einfügen, die im geschriebenen Artikel keinen Platz finden. Gesprochenes kann schon mal plätschern, Geschriebenes will eine Form. Und … auch ein Vorteil: Ihr könnt meine Pod Talks (ich überlege noch, wie ich die vertonte Version nennen soll) auch von unterwegs oder bei der Arbeit anhören. Sogar beim Putzen, Kochen oder Spülen. Beim Sex vielleicht dann doch nicht, auch wenn mir das eine besondere Ehre wäre :-).

And here comes – the No.1

Dieser Artikel mit seinem Podcast hat einen kleinen Ehrenplatz in meinem Blog. Er ist die Nummer Eins :-). Der allererste Artikel. So wie das erste Bild in einer neu bezogenen Wohnung. So wie Dagobert Ducks erster selbst verdienter Kreuzer, der ihm immer Glück gebracht hat. Vielleicht trägt ja dieser erste Podcast auch mit dazu bei, dass meinem Blog die unverzichtbare Fortüne beschert sein wird. Denn ohne das entscheidende Stückchen Glück, bei allem soliden Handwerk, gibt es keinen Erfolg. Nochmals meinen Dank an Frank und Jochen. Das war ein tolles Stück gemeinsames Schaffen und hat einen Riesenspass gemacht. Ach, ich sollte es besser erwähnen. Natürlich ist dieser Artikel im Ironiemodus entstanden, obwohl jedes Wort irgendwie auch ein Stück Wahrheit hat. Und genau da beginnt das Problem.
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