Deutlich abnehmen, ganz ohne Kampf. Nur mit einer anderen Einstellung.

Ich hatte es damals, um 2000 herum, geschafft, mich bis auf über 120 kg zu mästen. Da war ich Anfang 40. In früheren Zeiten hatte ich noch ein Spargelgewicht von um die 80 Kilogramm bei einer Größe von 190 cm. Das war natürlich zu wenig. Aber danach hatte ich über die Jahre mehr und mehr zugelegt. Als Bürohengst bewegt man sich eben weniger. Also viel sitzen, dickes Auto vor der Tür und ab 200 Meter nicht mehr zu Fuß, sondern, hopp, ins Auto.

Als ich mich nach einer Marketingmesse als Schnappschuss sah, einer der Besucher hatte mich, faul im Sessel lümmelnd, geknipst und das Foto Online gestellt, war ich sowas von erschrocken. Da saß ich, dick und feist, mit rundem Kopf, stämmigen Beinen, blähendem Bauch und kleinen Schweinsäuglein, mitten in einem runden Gesicht. Für mich ein erschreckender Anblick. Noch erschreckender war aber für mich, dass meine Branchenkollegen das gleiche Bild betrachten konnten. 

Ich werde fett. So geht das nicht weiter!

Meine schlagartige Erkenntnis: „So geht das nicht weiter.“ Da ich in jüngeren Jahren immer schlank war, überlegte ich, wie ich das damals angestellt hatte, nicht dick zu sein. Da war gar nichts Geheimnisvolles bei. Ich hatte in diesen Zeiten kein Auto und meine Ernährung war schlichtweg vernünftig und natürlich lag mein Grundumsatz ein gutes Stück über dem mit Anfang Vierzig. Gleichzeitig aß ich damals wenig Junk, wenig Fertigessen, wenig Zucker, hatte feste Mahlzeiten und ein insgesamt gesundes Essen. Dazu kam, ich hatte deutlich mehr Bewegung. 

Der Anfang meiner Ernährungsumstellung war eine Überwindung. Ich musste weg von „bitte die 50“, hin zu einem vernünftigen Essen. Die „50“ war die Nummer meines Stammgerichtes bei meinem Chinesen direkt neben meinem Büro. Nudeln, mit Schinken, üppig übergossen mit Sahnesoße, das Ganze mit Käse überbacken. Gleichzeitig begann ich, mein Auto öfter stehen zu lassen und mit dem Fahrrad zum Büro zu fahren. Das Fahrrad stand seit einigen Jahren zur Nutzung bereit in meiner Garage und durfte endlich an die frische Luft. 

Die eigene Einstellung war der Joker

Es ist eigentlich ganz einfach, kostet aber zu Beginn Kraft und Überwindung. Bequeme Gewohnheiten müssen durchbrochen werden und andere, gesündere, Gewohnheiten müssen etabliert werden. Und das alles „gegen einen selbst“, denn, man möchte ja am liebsten bequem bleiben. Als dann aber die ersten Pfunde purzelten, wurde es einfacher. Mit diesem ersten Erfolg bekam ich „Hunger“ auf noch mehr Erfolg beim Abnehmen.  

Ich unternahm kleinere und dann auch größere Touren mit meinem Fahrrad. Das Fahrrad war schon absolut sinnvoll. Ich merkte, dass meine Knie joggen gar nicht mögen würden. Ich war viel zu untrainiert. Ich erinnere mich noch heute, wie ich den kleinen Kirchturm, den ich, schnaufend auf dem Fahrrad, kurz vor dem Büro sehen konnte, wie eine Oase in der Wüste wahrnahm, die es zu erreichen galt. Besorgungen mit dem Auto machte ich nur noch, wenn sie weiter als einen Kilometer entfernt waren oder der Einkauf zu schwer zu tragen war. 

Meine Devise: Ernährung umstellen – mehr bewegen

Ansonsten wurde mein Fahrrad mein bester Freund, kombiniert mit einer deutlich vernünftigeren Ernährung. Croissants wurden durch Körnerbrötchen ersetzt und diese natürlich zu Fuß beim Bäcker geholt. Auch sonst kehrte ich zum Ernährungsverhalten früherer Jahre zurück. Ich wusste ja genau, worauf es bei der Ernährung ankam. In jüngeren Jahren hatte ich einen Bioladen und kannte mich also aus. 

Was habe ich noch verändert? Eigentlich war es das schon. Essen umstellen (nicht etwa Diät) und einfach mehr bewegen. Noch nicht mal richtig Sport, sondern nur mehr Fahrrad für Botengänge und eben das Auto öfter stehen lassen. Mein Abnehmen dauerte dann auch etwa zwei Jahre, aber das war für mich vollkommen in Ordnung. Das ist sogar sinnvoll, um den berüchtigten Jojo-Effekt zu vermeiden. 

Geduld und Konsequenz – das reicht

Sportler sein ist gar nicht nötig. Nur Geduld und insgesamt Konsequenz mit über die Zeit nur wenig Ausnahmen. Auch als Null-Sportler, ohne jeden dynamisch sportlichen Ehrgeiz, ist abnehmen möglich. Man muss nur die nötige Zeit mitbringen und die Einstellung ändern – und natürlich insgesamt dann auch danach handeln.  Allerdings kann ich mich nicht erinnern, das dogmatisch gemacht zu haben, sondern ohne Druck und ganz locker. 

Ja, das ist jetzt schon zwanzig Jahre her … und mir war danach, diesen Artikel zu schreiben. Und das hat einen Grund. Ich war über Jahre wieder bei soliden 95 Kilogramm, habe es aber in den letzten Jahren doch wieder verbockt, mich auf über 104 kg zu futtern. Das war, vermute ich, nicht direkt ein Jo Jo Effekt, sondern bei gleicher Ernährung und gesunkenem Grundumsatz nicht verwunderlich. War mein Grundumsatz früher eher 2.500 kcal, liegt er heute bei knapp 2.000 kcal. 

Seit Januar diesen Jahres bin ich nun wieder mitten in einer Ernährungsumstellung. Begonnen hatte ich mit wieder 104 Kilogramm.

Mein nächster Artikel handelt also um meinen erneuten Kampf, zurück in den zweistelligen Bereich.

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