Es ist die Frage, die sich viele Männer, wenn sie eine Veränderung spüren, stellen: Gibt es so etwas wie die Wechseljahre eines Mannes? Die Antwort ist, wie so oft, nicht ganz eindeutig möglich.

Ich neige zu einem entschiedenen JA und NEIN, denn ich habe solche Wechseljahre recht massiv erlebt. Da ich aber, bedingt durch meine kontinuierliche Recherche für mein Blog-Magazin, viel über die Natur der Wechseljahre, und hier speziell die des Mannes, gelesen habe, stimme ich auch den Kritikern zu, die sagen, „so etwas gibt es nicht beim Mann“. Ja. Wenn man es mit den Wechseljahren einer Frau vergleicht“.

Eine Zeit des Wechsels

Sowohl Frauen als auch Männer haben ihr eigenes Superhormon. Wir kennen es alle. Bei der Frau ist es das Östrogen. Beim Mann das Testosteron. Insgesamt spielen natürlich noch deutlich mehr Hormone eine Rolle im Hormonkonzert, aber bleiben wir bei diesen beiden Hauptplayern. 

Es ist ganz eindeutig: Jede, wirklich jede Frau bekommt ihre Wechseljahre. Ohne Ausnahme. Das bedeutet, die Östrogenproduktion ihres Körpers wird in relativ kurzer Zeit fast vollständig eingestellt, was mit massiven hormonellen Veränderungen einher geht. Ganz klar. Der Körper der Frau muss recht abrupt ein neues Gleichgewicht finden.

Beim Mann ist aber auch eine Veränderung im Gange. Auch bei ihm vermindert sich sein Haupthormon, das Testosteron. Aber beim Mann ist das ein schleichender Prozess, der schon in den Vierzigern, manchmal früher, manchmal später, manchmal sogar gar nicht, beginnt. Ein Mann baut schon lange ab, bevor er diese Veränderung bemerkt, da sein im Blut verfügbares Testosteron so umfangreich ist, dass es seine Leistungsfähigkeit in keiner Weise beeinträchtigt.

Wie war das denn bei mir?

Ich hatte Hitzewallungen, nur ganz leichte, eher am Morgen, aber ich hatte sie. Morgens, wenn ich wach wurde, musste ich mir die Decke wegstrampeln, da ich sonst begann, spürbar zu schwitzen. Das war dann schon unangenehm und eben auch eine spürbare Veränderung. Stand ich früh genug auf, merkte ich nichts von diesen Hitzewallungen. 

Ich wurde reizbarer. Gut, meine Kinder werden mir sagen, dass ich auch früher schon reizbar sein konnte, aber ich spürte, dass mein Nervenkostüm einfach noch dünner geworden war. Wenn man mich früher dreimal schubsten durfte, bevor ich genervt reagierte, war das nun schon beim ersten Schubs der Fall, um das mal bildhaft darzustellen. 

Was mich aber deutlich mehr alarmierte: Meine Libido begann sich, auf eine für mich nicht zu ignorierende Weise zu verändern. Klar, die Lust nimmt ab, das ist nun mal der Alterungsprozess. Aber sag das mal einem Mann! In der ersten Zeit kam mir das wie ein „körperliches Gebrechen“ vor. Immerhin war ich vorher „unsterblich“. So ist das Lebensgefühl eines typischen Mannes. 

Darüber hinaus, das war nun echt eine massive Veränderung, spürte ich, wie sich meine Psyche und sogar meine Moralvorstellungen veränderten. Ich wurde weicher, sentimentaler und gefühlvoller. Mein Testosteron entließ mich so ganz langsam aus seinem eisernen und auch mein Verhalten steuernden Griff.

Welche Symptome sind möglich?

– Gewichtszunahme (vor allem am Bauch)

– Konzentrationsmangel

– Müdigkeit und Abgespanntheit

– Vergesslichkeit

– geringere Durchsetzungskraft

– Tatkraft vermindert sich

– Energie- und Antriebsmangel

– phasenweise Kopfschmerzen

– erhöhte Reizbarkeit

– vermehrtes Schwitzen

– weniger Muskelmasse und Kraft

– Ein- und Durchschlafstörungen

– Libido und Potenzstörungen

– Sentimentalität und Traurigkeit

– im schlimmsten Fall eine Depression

– im besten Fall, Du wirst ein reifer Mann

Das sind ein Haufen Symptome, die nicht wirklich angenehm sind. Ich spürte körperlich, wie ich nachließ, aber eben auch innerlich, wie ich an Drive und Energie verlor und mich seelisch und charakterlich zu verändern begann. 

Mir war das ganz zu Beginn sogar ein wenig gruselig, wie ich vom immer bereiten Kerl, der wirklich immer schauen musste, wenn etwas Schönes zu sehen war, zum ruhigeren Mann mit ergrauenden Schläfen wurde, der zwar sich noch immer am Schönen erfreute. Jetzt aber auf einer eher ästhetisch bewundernden Ebene, durchaus noch begehrend, aber nicht mehr hungrig begehrend.

Ich habe mich bestimmt drei Jahre gegen diese Veränderungen gestemmt. Bestimmt auch zum Leidwesen meiner direkten Umgebung. Weniger Lust, weniger Konzentration, mehr Müdigkeit, weniger Tatkraft, weniger Energie und Kraft, noch vergesslicher als ich sowieso schon war und deutlich reizbarer. Was für eine teuflisch negative Mischung, um für alle so richtig anstrengend zu sein. 

Heute genieße ich das, dass ich mich angeregt mit einer schönen Frau oder überhaupt einer Frau unterhalten kann, ohne in eine Art Tunnelblick „was für eine schöne Frau“ zu geraten und dann nichts mehr um mich herum wahrzunehmen. Damals war ich imstande, von einer netten Verkäuferin etwas zu kaufen, was ich sonst nie gekauft hätte. Mal abgesehen davon, dass ich gar nicht wissen möchte, wie oft ich wie ein Idiot gewirkt haben muss. 

Sei gerüstet – sei informiert – sei bereit

Heute weiß ich, um wieder auf die Zeit meiner Umstellung auf einen älteren, ruhigeren Mann zurückzukommen … ich war einfach nicht für diese körperliche und eben auch seelische Umstellung meines Körpers gerüstet. Ich war vollkommen uninformiert, absolut uneinsichtig und habe vollständig die Realität ignoriert und bin dann auch fast zwangsläufig in eine ausgewachsene Midlife Crisis gesegelt.

Wäre ich umfassend informiert in diese Phase gekommen, wäre ich vermutlich mit weniger Konflikten, weniger Leid für meine Familie und mit weniger Verwerfungen in meinen Vierzigern und sogar noch beginnenden Fünfzigern durch diese Zeit der Veränderung gekommen. 

Darum gibt es dieses Blog-Magazin

Ich möchte Dir als Informationsquelle bereitstehen, wenn Du zu spüren beginnst, dass da etwas mit Dir geschieht. Denn „Mann“ merkt das. Du beginnst, in Google nach Information zu suchen, was zum Teufel das ist, was da mit Dir passiert. Dabei rede ich nicht von weniger Kraft oder weniger Konzentration, sondern davon, dass Du merkst, dass Du beginnst, imstande zu sein, vollkommen irrationale Dinge machen zu wollen. 

Es fühlt sich so an, als ob sich ein anderer Mann in Dir breitmachen möchte. Ich nenne das den „Zwischenmann“. Der vorherige Mann hat einfach das Leben genossen. Das ist sozusagen der „Lebemann“. Überrascht Dich dieser Zwischenmann, kommt Dein Leben vielleicht aus dem Tritt. Bist Du aber da erst mal durch, rutscht so langsam der „reife Mann“, der wieder mit sich (also Dir) im Reinen ist, auf einen Platz in Dir. 

Egal, wie Du Dich jetzt vielleicht fühlst. Dieser gereifte Mann wird einer sein, mit dem Du Dich wieder wohlfühlen wirst. 

Ich möchte Dich dabei unterstützen, dass Du diesen Zwischenmann ganz vermeiden kannst, denn der muss nicht über Dich kommen. Eine Midlifekrise trifft ja auch lange nicht jeden Mann. Aber besonders in Gefahr sind die Männer, die sich über viele Jahre im eigenen Saft der männlichen Energie wohl gefühlt haben und sich darum auch keinerlei Gedanken über mögliche Änderungen gemacht hatten. 

Wichtig sind Information, Orientierung und eine unabhängige, rein informierende Instanz. Dabei möchte ich Dich unterstützen, denn ich weiß genau, wie Du Dich vielleicht gerade fühlst, wenn das der Grund ist, dass Du jetzt genau diesen Artikel liest. 

Und an die anderen Mitlesen/innen. Nein, das ist kein Rausreden und kein Selbstmitleid. Wirklich nicht. Ich bin ja auch nicht blöd, aber trotzdem habe ich mich in diesen Jahren verhalten, als hätte mir ein Waffeleisen das Hirn weggebrannt. 

Wenn ein Mann in eine ausgewachsene Midlife Crisis gerät, besteht für ihn ab einem gewissen Punkt keine freie Wahl mehr. Dann muss er da einfach durch. 

Huibert de Vet
Author: Huibert de Vet

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