Midlifekrise – wie es für mich war

Midlifekrise, wie sie für mich war, midlife-mann.de

Die Wechseljahre des Mannes – eine Midlifekrise droht.

Können die Wechseljahre eines Mannes eskalieren? Und zu einer ausgewachsenen Midlifekrise werden? Ärzte und Wissenschaft sind sich über die Ursachen einer Midlifekrise nicht einig. Inzwischen entsteht allerdings bei immer mehr Ärzten die Erkenntnis, dass auch Männer so etwas wie Wechseljahre bekommen können und dass daraus dann tatsächlich auch eine ausgewachsene Depression entstehen kann.

Ich für mich sage, jawohl, es gibt eine Midlifekrise. Ich habe sie höchstpersönlich durchlebt. Bis zur bitteren Neige. Aber auch ich unterscheide zwischen den rein körperlichen Symptomen – und den daraus resultierenden möglichen Folgesymptomen. Wenn dann noch ein „Brandbeschleuniger“ in Form eines Schicksalsschlages hinzukommt, kann das Leben vollständig aus den Fugen geraten. 

Meine Midlifekrise. Wie war das für mich?

Ich hatte während meiner Midlifekrise eine ganze Latte an Symptomen. Die einen Dinge hatte ich gespürt, andere Symptome habe ich beim Arzt checken und messen lassen. Natürlich überschneidet sich alles mit ganz normalen Symptomen des Alterns. Hier eine Linie zu ziehen und zu sagen „das kommt da her – das kommt dort her“ ist fast unmöglich. Alles hängt zusammen.

Was waren meine Symptome

• Testosteron gesunken (habe das messen lassen)

• Libido (tolerabel) gesunken

• Tatkraft (massiv) gesunken

• deutlich weniger intrinsische Energie

• weniger und kürzere Konzentration

• durchschlafen schwerer

• einschlafen schwerer

• morgendliches Schwitzen

• Muskel- und Gelenkschmerzen

• Muskelmasse hat abgenommen

• Bauch (verdammt sei das) hat zugenommen

Leider ist es so, dass viele Männer diese Veränderungen als ganz persönlichen Angriff auf ihren Selbstwert empfinden. Ich machte da keine Ausnahme. Viele Männer trennen nicht zwischen den Beschwerden, die durch das Älterwerden, also dem ganz normalen körperlichen Verschleiß entstehen. Leider gibt es auch zusätzliche psychische Beschwerden die durch den immer weiter sinkenden Testosteronspiegel entstehen. Das wirkt nicht nur isoliert auf den Körper. Das verändert auch die Sichtweise auf die Dinge und das eigene Gefühlsempfinden.

Im Alter lässt man eben nach

Die Regenerationsfähigkeit des Körpers lässt zusätzlich nach, wenn ein Mensch älter wird. Auch meine alte Katze wurde im Alter langsamer, gemütlicher, dicker und immer schläfriger. Ich glaube ja nicht, dass eine Katze, zudem sie es bei mir gut hatte, zu einer Midlifekrise neigen würde. Eine Katze „lebt einfach“ und ist immer pur „im Moment“. Das ist, ganz nebenbei angemerkt, eine wirklich beneidenswerte Eigenschaft. 

Mein eigenes Leben kam erst aus den Fugen, als ich mit diesen Veränderungen nicht klarkam. Gemütlicher werden und einen Bauch zu bekommen, ok, doof, aber anscheinend nicht zu verhindern. Männer sind mit ihrem Körper toleranter als Frauen zu ihrem Körper. Aber dass meine Tatkraft und Energie abnahm, massiv sogar, dass ich mich nicht mehr lange konzentrieren konnte, und Lernen von neuen Inhalten immer schwieriger wurde, das traf mein Selbst-Gefühl tief ins Mark. 

Die folgenden Faktoren gaben mir den Rest

• allein das Wissen um diese körperlichen Veränderungen

• eine Veränderung meiner Sexualität (heute sah ich das anders)

• eine Veränderung meines Fühlens (heute genieße ich das)

• eine Veränderung meiner Einstellungen (ich wurde fast wie ein anderer Mensch in meinem Körper)

• ich hatte nicht mehr den alten Biss wie vor meiner Midlifekrise

• anstatt 10 Stunden durcharbeiten brauchte ich immer mehr „Päuschen“

• mein Freudegefühl und meine Spontanität nahmen immer mehr ab

• ich hatte weniger Ideen und weniger Kreativität

• ich wurde reizbarer und ungeduldiger

• ich begann zu realisieren, dass das Leben tatsächlich endlich ist

• und dann brach auch noch meine Firma zusammen

• und ich verließ später auch noch meine Familie weil ich „gescheitert“ war

Wenn dann noch etwas passiert, was mir als erfolgsgewohntem Mann den Rest geben konnte, war mein Tor zu einer Midlifekrise und folgender Depression geöffnet. Letztlicher Auslöser war dann auch der relativ schnelle Zusammenbruch meines bis dahin erfolgreichen Unternehmens und mein bis dahin bestimmt übersteigerter Wunsch, etwas für meine Familie und das Alter aufzubauen. 

Dieser Crash passierte innerhalb nur weniger Monate. Ich stürzte von einem allzeit Himmel hoch, immer im Flow, alles lief rund, Konsum und Erfolg waren zur Gewohnheit geworden, radikal schnell auf eine gefühlte und tatsächliche Null. Zeitlich kam das mit dem Sinken meiner Leistungsfähigkeit zusammen. Ich hatte einfach nicht mehr die Kraft und den Willen, mich aus diesem Loch wieder rauszuackern. Das ging einfach nicht mehr. 

Mein Rat – sei gerüstet und vorbereitet!

Wird ein Mann ganz einfach älter und gemütlicher und geht mit voller Akzeptanz in eine Phase der natürlich nachlassenden eigenen Energie, dann ist er schon mal mit sich im Reinen. Hat er darüber hinaus seine Familie, einen aktiven Freundeskreis und befriedigende Hobbys, die ihm, unabhängig vom Job, weitere Bestätigung und Erfüllung geben, kommt er in der Regel unbeschadet durch diese Veränderungen.

Ist ein Mann aber vollkommen auf seine Arbeit fokussiert und sucht er seinen Lebensinhalt und Selbstbestätigung fast nur im Job, ist die Gefahr groß, dass er in eine Midlifekrise gerät. Wenn er dann noch seine Freunde vernachlässigt, oder, noch schlimmer, seine „Freunde“ sind eigentlich die bisherigen Kollegen, die bei Jobverlust oft wegfallen, kann ihm alles passieren. 

Ja, so blöd war ich auch. Bis zu diesem Moment hatte ich aus dem Vollen gelebt. Wirklich gedankenlos in den Tag hinein. Das sich an meiner Lebensweise etwas ändern könnte, war undenkbar. Warum auch? Meine Tatkraft war doch „einfach da“. Dass diese intrinsische (also aus mir selbst heraus erwachsende) Tatkraft keine eigene Leistung, sondern meinem Testosteron und meinem Erfolgs-Flow zu verdanken war, realisierte ich erst, als es zu spät war. 

Von Mann zu Mann

Heute empfinde ich meine, vor allem mentale, Veränderung als Stärkung meines eigenen Selbst … auch wenn ich mir gerne so manche Reduktion und Veränderung gerne erspart hätte. Mehr Kraft und Energie sind eben ein positiver Wert in sich. Allerdings will ich mein Mehr an Fühlen und Sensibilität nicht mehr hergeben. Das ist ein Gewinn, den ich früher nur als Sentimentalität abgetan hätte – heute gibt mir das tiefe Befriedigung.

Solltest Du also spüren, Du stellst Dein Leben in Frage und merkst, dass Dich Veränderungen aus der Spur werfen könnten, ist mein Blog für Dich da. Es hilft wirklich, zu sehen, dass man nicht der Einzige ist und dass diese Veränderungen gar nichts Außergewöhnliches sind, sondern vollkommen normal. 

Darum mein Rat

Besser vorher freiwillig lernen, als später gezwungen werden. Denn bevor eine Midlifekrise beginnt, hast Du noch die Wahl, anders abzubiegen. Bis zu diesem Zeitpunkt hast Du Dein Drehbuch in der Hand. Passiert es aber, dass Du abdrehst, wird Dir das Drehbuch nur noch vorgelegt. Egal wie schlecht der Plot für Dich ist. Du musst dann durch und abwarten, bis der Abspann kommt. 

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