Es ist eine Frage, die sich viele Männer stellen, ist – gibt es so etwas wie die Wechseljahre eines Mannes? Die Antwort ist, wie so oft, nicht ganz eindeutig möglich. Ich neige zu einem entschiedenen JA, denn ich habe eine solche Zeit durchlaufen. Da ich aber, bedingt durch meine kontinuierliche Recherche für mein Magazin, viel über die Natur der Wechseljahre gelesen habe, stimme ich auch den Kritikern zu, die sagen, „so etwas gibt es nicht beim Mann“.

Männer haben kein Klimakterium – aber es ist doch eine Zeit des Wechsels

Sowohl Frauen als auch Männer haben ihr das eigene Geschlecht dominierende Superhormon. Bei der Frau ist es das Östrogen. Beim Mann das Testosteron. Im Körper spielen noch deutlich mehr Hormone eine Rolle, aber das sind die Hauptplayer. Jede Frau bekommt ihre Wechseljahre. Die Östrogenproduktion wird nach relativ kurzer Zeit vollständig eingestellt. Beim Mann ist das allerdings ein schleichender Prozess, bis er eine Veränderung, bedingt durch die Abnahme seines Testosterons, spürt.

Ich hatte sowohl Hitzewallungen als auch eine deutlich erhöhte Reizbarkeit und ja, meine Libido begann sich auf eine für mich nicht zu ignorierende Weise zu verändern. Dieser Vorgang ist selbstverständlich vollkommen normal und dem Älterwerden geschuldet. Mir selbst kam diese Veränderung meiner Libido wie ein „körperliches Gebrechen“ vor. Zusätzlich spürte ich auch, dass sich meine Psyche veränderte. Ich wurde weicher, sentimentaler, gefühlvoller.

Aber ich jammere, was meine Libido angeht, auf einem wirklich hohen Niveau. Bei mir wuchs sich mein Problem mit meiner Libido nicht zu einer erektilen Dysfunktion aus, sondern bei mir änderte sich nur die Frequenz meiner Lust. Aus „jeden Tag Lust“ wurde ein, „alle zwei Tage Lust“ und inzwischen ein, „ooch, zweimal die Woche Lust haben ist super“. Mir gefällt das zwar immer noch nicht. Mehr wäre eben – mehr. Aber inzwischen habe ich das vollständig als Normalität akzeptiert.

Einschub: Welche Symptome sind möglich?

  • Gewichtszunahme (vor allem am Bauch)
  • Konzentrationsmangel
  • Müdigkeit und Abgespanntheit
  • Vergesslichkeit
  • geringere Durchsetzungskraft
  • Tatkraft vermindert sich
  • Energie- und Antriebsmangel
  • phasenweise Kopfschmerzen
  • erhöhte Reizbarkeit
  • vermehrtes Schwitzen
  • weniger Muskelmasse und Kraft
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Libido und Potenzstörungen
  • Sentimentalität und Traurigkeit
  • im schlimmsten Fall eine Depression

Unterscheide bitte: Körper und Seele

Ich habe mich bestimmt zwei, wenn nicht sogar drei Jahre gegen jede Veränderung, vor allem meiner Lust, aber auch der parallel eintretenden Verringerung meiner Vitalität, meines Konzentrationsvermögens, meines Merkvermögens und einer schnelleren Müdigkeit, wenn ich Dinge anpacken wollte, mit Händen und Füßen und großer sturer Bockigkeit gewehrt. Ich wollte das alles einfach nicht akzeptieren. Ich habe diese ganze Liste der Symptome durchlebt – und durchlebe sie noch immer als inzwischen neue Normalität. Nur in Sachen Libido habe ich wohl Schwein gehabt.

Heute weiß ich … ich war nicht für diese körperliche und dann auch seelische Umstellung gerüstet. Ich bin uninformiert, uneinsichtig und die Realität nicht erkennend, mit fliegenden Fahnen in eine ausgewachsene Midlife Crisis gesegelt. Aus heutiger Sicht bin ich der Meinung; ich hätte das erkennen müssen. In dieser Zeit habe ich allerdings nichts, wirklich gar nichts „gemerkt“. Das ist auch ein entscheidender Grund für mein Magazin. Ich hoffe und wünsche mir, dass Du es im Krisenfall als mein Leser schaffst, auf Spur zu bleiben, bis Du wieder mit Dir selbst im Reinen bist. Dabei möchte ich Dich unterstützen. 

Die Wechseljahre einer Frau kommen abrupt

Wenn eine Frau in ihre Wechseljahre kommt, ist das wie ein Startschuss zur Umstellung. Vorher hat ihr Körper ganz normal Östrogen produziert. Ab einem bestimmten Zeitpunkt hört es dann aber recht schnell auf … und es ist vorbei. Der weibliche Körper kommt in ein neues Gleichgewicht und das Leben geht, ohne den Ballast der Menstruation, weiter. Einer Frau hilft auch oft, dass sie in der Regel über mehr soziale Bindungen verfügt. Sie definieren sich oft nicht nur über Erfolg, sondern über ihre Umgebung, ihre Familie und ihre Freunde. 

Bei Männern ist das leider häufig anders. Auf der einen Seite haben Männer vielfach nur wenig echte Freunde. Sehr oft sind diese Freunde dann auch Arbeitskollegen, denen man sich freundschaftlich verbunden fühlt. Das böse Erwachen kommt nicht selten nach dem Einstieg in die Rente. Aber das ist ein anderes Thema. Bekommen Männer körperliche und nicht selten dann auch seelische Probleme, stehen sie viel zu oft für sich alleine da. Zumindest versuchen sie, alleine mit ihren Veränderungen und Nöten klarzukommen. 

Testosteron sinkt über die Jahre still und heimlich

Wo bei Frauen der Produktionsstop von Östrogen abrupt einsetzt, sinkt beim Mann der im Blut messbare Testosteronspiegel langsam und schleichend. Auf einem sehr hohen Level beginnend, verlieren Männer ab etwa dem Vierzigsten pro Jahr ein Prozent ihres Testosteronspiegels. Zur Beruhigung: nicht etwa jedes Jahr absolut ein Prozent, sondern immer ein Prozent des aktuellen Restwertes. Ein Mann kann also nicht bei Null ankommen. Das ist doch schon mal gut. 

Bei welchem Alter eines Mannes der Testosteronspiegel zu sinken beginnt, ist mir noch nicht ganz klar. Die einen Bücher sagen, schon ab Mitte Zwanzig beginnt der Abbau. Wieder andere Fachlektüre stellt fest, dass es erst ab Mitte Vierzig (plus minus ein paar Jahre) beginnt. Ich werde zu diesem Thema, wann das losgeht, noch Informationen suchen und einen Artikel recherchieren, da mich das, auch wenn ich schon „durch“ bin, immer noch sehr interessiert. 

Wie ein Frosch im Wasser

Das Sinken des Testosterons vergleiche ich gerne mit dem berühmten armen Frosch im Wassertopf. Man setzt hierzu einen Frosch in kaltes Wasser und er schwimmt munter herum. Wasser. Herrlich. Dann stellt man aber den Topf auf einen Herd und erhitzt das Wasser unmerklich. Der Frosch spürt nicht diese langsame Veränderung und ist dann ein Punkt erreicht, dass der Frosch einen Hitzekollaps bekommt, ist es zu spät für den kleinen Kerl. 

Beim Absinken des Testosterons ist das ähnlich. Wir beginnen auf einem so übertrieben hohen Level, dass wir, eben auch durch unser Testo, reizbar und aggressiv sind. Wir sind besoffen vom Überfluss an Testosteron. Unser Testosteron sinkt über die Jahre für uns unmerklich, da wir noch Jahrzehnte über dem Level liegen, dass wir benötigen, um uns vital, potent und tatkräftig zu fühlen. Erst, wenn ein Mann dann eine bestimmte Schwelle unterschreitet, beginnt er, körperliche und seelische Veränderungen zu spüren.

Glücklich(er) der Mann, der ausgeglichen und stabil ist

Passiert das, ist es für ihn ein großes Glück, wenn er mit seinem Leben, seiner Familie und seinem Job zufrieden ist. Betreibt er aktiv Hobbys und sorgt auch sonst auf verschiedene Weise für einen Ausgleich, ganz wichtig sind auch Freunde, ist er insgesamt gut gegen eine Midlifekrise gewappnet. Solche Männer gehen eher stabil durch diese Phase. Allerdings kann es auch ihnen passieren, dass es, für Männer überproportional bedeutsam, Probleme mit der eigenen Libido gibt. Dann sollte auch ihr Weg unbedingt zu einem Arzt führen, der sich auf Männer spezialisiert hat. 

Nicht bei jedem Mann sinkt Testosteron

Ein weiterer Grund, dass die Wechseljahre des Mannes noch wenig bekannt und in der Wissenschaft und in der Lektüre recht wenig akzeptiert sind, ist auch, dass lange nicht jeder Mann Beschwerden durch absinkendes Testosteron bekommt. Sie haben einen bis ins hohe Alter hohen oder ausreichend hohen Testosteronspiegel. Wie das funktionieren kann, ist mir eine weitere Motivation für mein Magazin, da ich selbst bis ins hohe Alter vital bleiben möchte. 

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